Lust for life and trust in life
Engadiner Post vom Donnerstag, 17. September 2026
«Lust for life and trust in life»
Was haben ein alter Baukasten, eine Stechuhr und die Engadiner Berge mit unserem Verhältnis zur Welt zu tun? Im Kulturarchiv und im Hotel Maistra160 sprach der renommierte Soziologe Hartmut Rosa über Spielräume zwischen Regeln und eigenständigem Handeln. Und über Resonanaz als eine Erfahrung, die Menschen und ihre Beziehung zur Welt verändern kann.
Im Kulturarchiv Oberengadin in Zuoz führte Selma Mahlknecht, Autorin und Mitarbeiterin des Kulturarchivs, das Gespräch mit dem Soziologen Hartmμt Rosa. Gekonnt spannt sie den roten Faden entlang ausgewählter Archivalien. Ein Baukasten aus dem späten 19. Jahrhundert gab Anlass, über die Bedeutung des Spiels zu philosophieren. Daran illustrierte Rosa seine Theorie von Konstellation und Situation. Bauen Kinder nach einer klaren Anleitung Häuser, dann gibt es nur eine richtige Lösung. Alle anderen Werke sind - zumindest gemäss Anleitung - falsch. «Wenn die Kinder bauen, was von ihren Erfahrungen, ihrer Situation ausgeht, haben die Häuser einen individuellen Charakter. Die Kinder handeln.» Rosa erinnert sich, dass er in seiner Kindheit den Spielraum hatte, einfach rauszugehen. Die Regeln ihrer Spiele handelten die Kinder selbst aus.
«So konnte ich ein Weltverhältnis entwickeln.» Heute wird jedoch weitgehend vorgegeben, was auf dem Spielplatz wie zu spielen ist. Die Erwachsenen denken sich für die Kinder die Spielformate aus und schaffen damit Konstellationen, innerhalb derer sich die Kinder zu bewegen haben. Kinder vollziehen Vorgegebenes, statt aus der Situation heraus zu handeln.
Resonanz
Das Gegenmodell zu einer rein kontrollierten, instrumentellen Beziehung zur Welt ist für Rosa eine resonante Weltbeziehung. «Da, wo die Augen wirklich aufleuchten, wo sich jemand mit Haut und Haaren auf die Sache einlässt, entsteht Resonanz.» Resonanz war auch das zentrale Thema des neunten Gesprächs in der Reihe «Maistra160 spricht». In Pontresina diskutierten die Hotelière Bettina Plattner, der Architekt Gion Caminada und Hartmut Rosa.
Resonanz kann gemäss Rosa überall entstehen: in einem behaglichen Hotelzimmer ebenso wie in einem unattraktiven Raum oder in der Natur «Für mich ist das Signum von Resonanz die Erfahrung: Etwas hat mich berührt und verändert. Ich gehe als ein anderer Mensch aus einer Begegnung hervor, als ich in sie hineingegangen bin.» Resonanz bezeichnet somit kein blosses Wohlgefühl, sondern eine Beziehung zur Welt, in der sich, etwas verändert.
Fotos: BASS Gian-Nicola
| Archiv: |
Oberengadin |
| Signatur: |
17.8.1988 |
| ID Nummer: |
ID-4231456 |
| Provenienz: |
Pressespiegel und Medienberichte über das Kulturarchiv Oberengadin |
| Eingangsdatum: |
10. September 2026 |
| Besitzverhältnis: |
Schenkung |
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| Urheber: |
WICK-WIDMER Stefanie |
| Erscheinungsort: |
St.Moritz |
| Veröffentlichungsort: |
St.Moritz |
| Arten: |
Zeitungen/Zeitschriften |
| Themen: |
Kultur, Literatur, Philosophie |
| Technik/Material: |
Zeitungsausschnitt |
| Standort: |
UG2, RR_H2
(Ordner Medienmitteilung 2026)
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